Nestal, der Novitze steigt herab

Nestal, ein junger Novize im Tempel der Großen Schwinge, steigt in das Katakombenarchiv hinab.

Als er im Jahre 1 N.d.S. im Alter von 14 Jahren von einer Eule auf Durchreise in seinem kleinen namenlosen Dorf in den Dunkelfelsen mitgenommen wurde, um für die Große Schwinge zu wirken, konnte er sein Glück zunächst kaum fassen. Nun fragt sich ein kleiner Teil in ihm jedoch durchaus ab und an, ob es nicht besser gewesen wäre, bei den paar Ziegen seiner Familie zu bleiben und geruhsam und unwissend seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber das sind nur seine gelegentlichen Tagträume. Er weiß sehr wohl, dass es seine Pflicht ist, all sein Können in den Dienst der Großen Schwinge zu stellen und er tut es gern. Seiner Ansicht nach hat die Große Schwinge höchst selbst ihn und sein Dorf gerettet, als sie in der Nacht des Sturms das ganze Dorf in Nebel gehüllt hatte und dadurch der durchziehende Trupp der Eisernen Faust gar nicht gewahr wurde, dass es dort Häuser und Menschen gab.

Während seiner Ausbildung zum Novizen, die er im Gegensatz zu seinen Kameraden in nur zwei Jahren bewältigte, wo diese zumeist fünf bis zehn benötigen, lernte er viele Dinge über die Große Schwinge. Ihm wurden die Rituale beigebracht und es wurde versucht, seine spirituellen Fähigkeiten zu entwickeln. Alsbald wurde jedoch klar, dass er in dieser Hinsicht wohl nie Erfolg haben würde. Dafür fiel er umso mehr durch seine herausragende Fähigkeit auf, sich Wissen anzueignen und es auch zu behalten und damit zu jonglieren wie Gaukler mit Bällen; so sprach immer seine zuständige Muttereule. Auf deren Betreiben hin wurde Nestal alsbald trotz fehlender spiritueller Fähigkeiten in den Stand eines Novizen erhoben, da sein Glaube unerschütterlich und sein Talent zu wertvoll war, um für den Tempel verloren zu gehen.

Achela persönlich machte ihn trotz seiner Jugend zu einem ständigen Berater und übertrug ihm die Aufgabe, das Archiv des Tempels zu verwalten und sich so viel Wissen wie möglich anzueignen, um sie bei ihrem Wirken zu unterstützen.

Nestal hätte sich nie vorstellen können, was da auf ihn wartet. Er hatte die Eulen immer nur als freilebende, von allem außer dem Glauben an die große Schwinge unabhängige Reisende wahrgenommen, die sich um das Wohl der Gläubigen kümmerten. Allein die Tatsache, dass es in diesen Katakomben ein Archiv diese Umfanges gibt, dass schon wesentlich älter ist als die Tyrannenherrschaft des Despoten, konnte er nicht glauben, bis er es mit eigenen Augen gesehen hatte.

So verbringt er nun seine Tage hier unten, wenn er nicht gerade Achela mit seinem Wissen zur Verfügung stehen muss, und studiert und studiert und studiert …

Sobald er auf etwas von allgemeinem Interesse stößt, wird uns der Verfasser dieses Textes hoffentlich alsbald hier offenbaren.

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